Inneres Beten

Inneres Beten

„Inneres Beten ist Verweilen bei einem Freund, mit dem wir oft allein zusammenkommen, einfach um bei ihm zu sein, weil wir sicher wissen, dass er uns liebt.“

Teresa von Ávila

„In Freundschaft mit Christus den Menschen, den Aufgaben, der Welt zugewandt sein.“

In einer Zeit, in der den Gebetsverrichtungen mehr Aufmerksamkeit geschenkt wurde als dem „Adressaten“ des Betens und die Gläubigen vor dem gestrengen Weltenrichter in Angst und Furcht um das eigene Heil bangten, entdeckt Teresa im menschgewordenen Jesus Christus Gott als den Freund ihres Lebens. Sie erkennt nun:

„Er, der große Gott, war doch auch Mensch, der sich nicht über die Schwächen der Menschen entsetzt, sondern unsere armselige Lage versteht. Ich kann mit ihm reden wie mit einem Freund, obwohl er doch der Herr ist.“

Wer die Schriften Teresas liest, wird darin immer wieder dem Stichwort Inneres Beten begegnen. Es ist ein Schlüsselwort zum Verständnis ihrer von der Christusfreundschaft getragenen Spiritualität — und ein Kernwort in der Spiritualität des Teresianischen Karmel. Teresa hat dieses Wort nicht selbst geprägt. Sie übernahm es aus der schon in ihrem Jahrhundert langen geistlichen Tradition des Christentums.

Der kleine Schritt in einen lebendigen Glauben

Inneres Beten ist der kleine Schritt in einen lebendigen Glauben. Inneres Beten heißt: sich zu Gott hinwenden von Ich zu Du, „an Gott denken“, sich seine Gegenwart bewusst machen, zu Gott „du“ sagen und dieses „du, Gott …“ auch wirklich meinen.

„Meiner Meinung nach“, schreibt Teresa ihren Schwestern, „ist inneres Beten nichts anderes als Verweilen bei einem Freund, mit dem wir oft allein zusammenkommen, einfach um bei ihm zu sein, weil wir sicher wissen, dass er uns liebt.“

Inneres Beten hat keine Methode, die man erlernen müsste. Inneres Beten ist selbst die „Methode“, die einzige und allein notwendige, die man „können“ muss, um im eigentlichen Sinne ein glaubender Mensch zu sein – ein „von innen her“ glaubender Mensch, worauf Jesus so viel Wert legte. Es ist etwas ganz einfaches. Jeder kann es (schon).

Ich rede Gott an, von innen heraus, so dass wirklich ich es bin, der da redet; ich sage „du“ zu Gott, zu diesem unfassbar großen Gott, den ich freilich nur „ahnen“ kann. Wie von selbst sagt dann nicht nur der Verstand das „du“; inwendige Tiefenbereiche „sprechen“ mit. Aus dem „du“-Sagen wird eine stille, worthafte oder auch wortlose Zuwendung, ein Sich-Zublicken, ein „Entgegen-Warten“ zu dem großen Geheimnis hin, das mich und alle Existenz umfängt, zu diesem Gott von unfassbarer Größe und Weite, so verborgen und so nahe zugleich.

Der Weg in eine neue Art das Leben zu leben

Übt man sich — nicht nur während besonderer Gebetszeiten, sondern so oft man daran „denkt“ — in diese „Vergegenwärtigung Gottes“ ein wenig ein, verändert sich das ganze Lebensgefühl. Bisher brachliegende Kräfte der Seele werden wach, man bekommt für alles einen tieferen Blick. Glaube wird eine Lebensweise, ein Mitleben, Mitlieben, Mitleiden mit Jesus und seinem Gott.

Inneres Beten ist in der Tat ein ganz einfaches, für jeden Menschen vollziehbares „Tun“ der Seele, das während der Gebetszeit das „Gebete-Verrichten“ zum Beten macht und während des Tages das Leben und Arbeiten ein Gemeinschaftswerk mit Gott werden lässt. Es ist der Weg in eine neue Art das Leben zu leben.

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